Report: Dem Leben die Süße genommen Diabetes Epidemie bei den Lakota



>>Did your Mother cook with certain spices?<<
>>Yes, she always cooked with a lot of Spirituality!<<
( Emmery Clifford Arapho, Lakota)



1 Einleitung
2 Lebensgrundlage der Lakota bis Eindringen der weißen Eroberer.
3 Lebensstandard zwischen 1930 und 1955
4 Regierungsmaßnahmen zwischen 1950 und 1960, welche den Lebensstil gravierend veränderten
5 Der psychosomatische Ansatz ( Diabetes durch Schock)
6 Diabetes durch Mangel an Vitamin C und E ( Erkenntnisse der Orthomolekularen Medizin
7 Gesprächsteilnehmer und dazugehörende persönliche Berichte.


1. Einleitung
Der nachfolgende Report basiert auf der Auswertung einer Befragung, welche im September 2001 im Pine Ridge Reservat stattgefunden hat, sowie Erlebnissen und Gesprächen mit verschiedenen Bewohnern der Pine Ridge Reservation. Die Ergebnisse sollen als Basis für eine sinnvolle Diabetes Diät verwendet werden als Gegenmaßnahme zur verheerenden Diabetes Epidemie innerhalb der Lakota Bevölkerung.

Erkenntnisse und Studienergebnisse der Modernen Medizin werden fast immer auf alle Menschen übertragen. Die damit verbundenen Forschungsergebnisse sollten aber nur auf Zielgruppen mit gleichem Lebensstil und Kulturkreis angewandt werden. So läßt sich das Ergebnis basierend auf Probanten aus dem europäischen Raum und damit verbundenen Therapiemaßnahmen nur schwer z.B. auf sog. indigene Gruppen übertragen, wo oftmals auch genetische Veranlagungen eine gewichtige Rolle spielen. Für wissenschaftliche Vertreter holistischer Systeme eine logische Folgerung, für Vertreter der konservativen Schulmedizin dagegen nicht. Um optimale Therapiemaßnahmen aber entwickeln zu können, ist es notwendig, die betroffenen Gruppen und deren Lebenssituation gezielt und individuell zu analysieren, um bestmöglichste Heilungs- und Vorbeugungsmaßnahmen auf sie abstimmen zu können.

Hauptsäule eines geplanten Diabetes Therapie- und Präventionsprogramms für Mütter und Kinder, welches in Zusammenarbeit mit der Porcupine Clinic im Reservat im Mai 2002 gestartet werden soll, ist eine, an traditionelle Ernährungsweisen angelehnte Moderne Diabetes Diät. Um eine sinnvolle Diät zu entwickeln, ist es wichtig, Kenntnisse über traditionelle Ernährung und die Lebensweise der frühen Jahre einzubeziehen. Dazu wurden Lakota des Pine Ridge Reservats im September 2001 befragt. Bei den Befragten handelte es sich um Jahrgänge zwischen 1945 und 1929. Die Ergebnisse waren sehr aufschlußreich. Es sollten dringend weitere Befragungen dieser Altersgruppe im Reservat vorgenommen und ausgewertert werden. Neben Erkenntnissen früherer Ernährungsweisen, geben Gespräche und Interviews mit älteren Indianern einen wertvollen Einblick in die Tradition dieses Volkes.

Die Lakota-Sioux - das stolze Prärievolk und ihre Lebensgrundlage bis zum Eindringen der weißen Eroberer.


Das Wort >>Sioux<< ist eigentlich ein Schimpfwort, welches von dem benachbarten und mit den Sioux verfeindeten Chippewa ( Ojibwa, Anishinabe) gebraucht wurde. In Wirklichkeit nannte sich dieses Volk >>Oceti Sakowin<< ( Die sieben Ratsfeuer). Die Sioux teilen sich auf in drei Gruppen: den Nakota, Dakota und den Lakota. Die größte Nation bilden die Lakota, und diese wiederum sind aufgeteilt in sieben Stämme: den Oglala, Sicangu oder Brule, Hunkpapa, Miniconjous, Sihaspa, Itazipacola oder Sans Arcs und den Oohenupa oder Two Kettle.

Ursprünglich lebten die Sioux als Jäger, Fischer und Sammler in den großen Waldgebieten nordöstlich von Minnesota. Mit zunehmender Besiedelung der Europäer zogen Sie in der Mitte des 17. Jhrd. in die Prärie Ebenen des Mittleren Westens .

Die Einführung des Pferdes durch die Spanier löste die Bisonkultur aus, die zur Lebensgrundlage aller Prärie Indianer und somit auch der Lakota wurde. Ihr Gebiet erstreckte sich über die heutigen amerikanischen Bundesstaaten Süd Dakota, Nebraska, Wyoming und Montana. Die Black Hills wurden zum heiligen Zentrum für die Lakota. Dort befindet sich ihrem Glauben nach >>das Herz der Mutter Erde<<. Die Lakota galten als Krieger-, Sammler- und Jägergesellschaft mit einer tiefen spirituellen Beziehung zu >>Mutter Natur<< ( Mother Earth) und dem >>Großen Geist<< ( Great Spirit) oder >>Großen Vater<<, der alles geschaffen hat.

Die Lakota lebten als Nomaden und zogen den Büffelherden nach. Der Büffel gab ihnen Nahrung, Bekleidung, Waffen und Werkzeug und war somit ihre Lebens-grundlage. So ist es auch nicht verwunderlich, daß es in der Sioux Mythologie die >>Weiße Büffelkalbfrau<< ist, die den Lakota in Form der heiligen Pfeife Weisheit und Frieden brachte. Die Bisonkultur wurde zerstört durch den Bau der Eisenbahn, die quer durch das Indianerterritorium gebaut wurde und dem immer größer werdenden Strom eindringender weißer Siedler.

Lebensgrundlage der Lakota bis Eindringen der weißen Eroberer.

Diese Tatsache war Auslöser erbitterter Kämpfe zwischen den Indianern und dem Militär und führte zum legendären Vertrag von Fort Laramy im Jahre 1868. Unter der Führung des charismatischen Lakota Führers Red Cloud wurde ein Gebiet (Great Sioux Nation) ausgehandelt, daß ausschließlich den Sioux Stämmen als Jagd und Wohngebiet zur Verfügung stehen sollte. Kurze Zeit später mußten die Anführer, die nicht lesen und schreiben konnten, erkennen, daß sie und ihr Volk betrogen wurden. Die Dolmetscher hatten den Indianern das Kleingedruckte nicht übersetzt. >> Das rote Volk hat sich an die vereinbarten Verträge gehalten im Gegensatz zu den Weißen. Diese hatten sich nur an ein Versprechen gehalten, nämlich das, uns unser Land wegzunehmen. und unser Volk zu zerstören << Red Cloud, Oglala Lakota.

Nachdem Gold in den Black Hills gefunden wurde, stürmten Goldsucher das Land. Skrupellose Büffeljäger dezimierten die zahlreichen Büffelherden. Es kam immer häufiger zu blutigen Zusammenstößen und fand seinen Höhepunkt 1876 in der Schlacht am Little Big Horn. Unter der Führung der legendären Lakota Anführer Sitting Bull und Crazy Horse sorgten die Lakota für das erste Trauma in der (weißen) amerikanischen Geschichte. Sie besiegten den Helden der Nation, General George Armstrong Custer, bekannt auch für seine vielen Greueltaten an Indianern Sein Tod löste eine weitere Welle von Militärangriffen auf die Sioux aus, und man versuchte dieses Volk auszulöschen. Dieser Versuch des Völkermordes wird auf subtile Weise bis heute noch an den Indianern ausgeübt.

1889 konfiszierte die amerikanische Regierung aufgrund der Goldfunde die Black Hills mit mehr als 7,7 Millionen Acre Land. Die Black Hills waren (und sind immer noch) religiöses und spirituelles Zentrum der Sioux. Von der >>Großen Sioux Nation<< wurde den Lakota bis heute mehr als 60 % ihres vertraglich vereinbarten Landes genommen. Verheerende Epidemien und Mißernten ließen Ende des 19. Jahrhunderts viele Indianer qualvoll sterben. Die friedliche Botschaft des >>Geistertanzes<< sollte den Indianern den alten Geist ihrer Kultur zurückbringen. Die Weißen gerieten in Panik und fühlten sich bedroht. Aufgeschreckt durch den Mord an Sitting Bull im Dezember 1890 flohen viele Anhänger dieser friedlichen Bewegung, so auch der schwerkranke Häuptling Big Foot.

Zusammen mit mehreren Hundert Lakota versuchte er bei Red Cloud in Pine Ridge Sicherheit zu finden. Am Morgen des 29. Dezembers wurden er und seine Leute von der 7. Kavallerie umzingelt und entwaffnet. Ein versehentlich ausgelöster Schuß eines alten, schwerhörigen Indianers löste das tragische Massaker bei Wounded Knee aus. Mehr als 300 Lakota wurden niedergemetzelt, vorwiegend Frauen, Kinder und alte Menschen. Das Massaker in Wounded Knee war das Ende des indianischen Traums.

Einweisung in Reservationen
Die indianische Bevölkerung hatte es nach den jeweiligen Reservatszuteilungen schwer, wieder eine Lebensgrundlage zu finden. Nomadenvölker wie die Lakota hatten darunter besonders zu leiden. Die von der weißen Regierung versprochenen Geldzahlungen und die Verteilung von Lebensmittel und Bekleidung funktionierte meist garnicht und wenn, dann nicht zuverlässig. Die meisten Lakota litten an Hunger, viele starben an Unterernährung Für manche Männer war die Teilnahme an Wild West Shows oft ein Ausweg ihre Familien zu ernähren. Sie waren teilweise jahrelang unterwegs, oftmals sogar bis nach Europa. Große Wild West Shows wie z.B. Bill Codys Darbietungen ( Buffalo Bill Wild West Show), Zirkus Sarasani oder Hagenbeck/Hamburg holten vorrangig aus dem Pine Ridge Reservat ihre Mitwirkenden.

Anfang des 20. Jahrhunderts gelang es immer mehr Lakota die Umstellung auf Ackerbau und Viehzucht und ab ca. 1930 konnte man die Lebensumstände für viele Reservatsindianer als erträglich, teilweise gut bezeichnen.


Lebensstandard zwischen 1930 und 1955
Verglichen mit der heutigen Zeit kann man sogar behaupten, daß es den Lakota im Pine Ridge Reservat in wirtschaftlicher, sozialer und gesundheitlicher Hinsicht, wesentlich besser ging.

Im Gegensatz zu heute waren die meisten Familien Selbstversorger. Sie hatten eigene Gärten oder arbeiteten bei Gemeindegärten mit. Frauen und Kinder sammelten regelmäßig Wildgemüse, Beeren und sonstige eßbare Pflanzen, und das zu allen Jahreszeiten ( im Winter z.B. die an den Zweigen angetrockneten Beeren). Das deutet auf ein noch gut vorhandenes Wissen bezüglich der Verwertung von eßbaren Pflanzen und geeigneten Sammelplätzen innerhalb der breiten Bevölkerung hin. Auch Kennntisse über medizinische Grundversorgung zur Behandlung kleinerer Gesundheitsprobleme war unter den Frauen noch weit verbreitet.

Die Familien zeigten eine enge Verbundenheit zueinander. Es gab keine Foodstamps, keine Commodities, keine Grants, stattdessen: ein gesundes Volk und SELFSUFFICIENCY!

Bis zu diesem Zeitpunkt kann man behaupten, daß die Lakota an anstrengende, körperliche Arbeit gewöhnt waren, sogar unter härtesten und kargen Lebens-bedingungen.

Dieser Zustand änderte sich fast schlagartig zwischen 1955 und 1960. Was ist da passiert?


Regierungsmaßnahmen zwischen 1950 und 1960,
welche den Lebensstil der Lakota gravierend veränderten

Was oberflächlich betrachtet wie humane Hilfestellung vonseiten der Regierung aussieht, entpuppt sich in Wirklichkeit als Vehikel zu Unselbständigkeit, Verlust der bisherigen Werte und weiterer Schritt zu von der Landesregierung gewollten totalen Assimilation zum >>Weißen American Way of Life<<.

1950-60 RelocationProgramm

Unter Vorgabe von Arbeitsplatzbeschaffung wurden von der Regierung Umsie-delungsprogramme gestartet, um Reservatsindianern in Großstädte zu locken, wo sie nicht mehr dem Aufgabenbereich des BIA unterstanden.Versprochen wurden Arbeit und Unterkunft und Reisekosten für die Hinfahrt (nicht Rückfahrt!)

Ziel: Schwächung der Stammesstrukturen und Auflösung der Stammesverbände. Reservatsentvölkerung und Aufgehen der Stadtindianer in >>American Way of Life<<.

Die Indianer, welche diesem Programm folgten erwartete starker Rassismus und kaum Arbeit ( >> last hired first fired<<). Die sozialen Hilfeleistungen entfielen ebenfalls, da diese nur an Reservatsindianer entrichtet wurden. Aufgrund großer Entfernungen entfielen die für Indianer so wichtigen Familienbande. Sie endeten in Alkohol- und Drogensucht, oder fielen gewalttätigen Auseinandersetzungen zum Opfer und wurden oftmals Zielscheibe rassistischer Schikanen.

1953 Termination Act ( Public Law 280)

Als Assimilationsdruckmittel wurde am 09.06.1953 vom U.S. Kongreß die Resolution Nr. 1084 verabschiedet. Ziel war es, die Ureinwohner mit gleichen Rechten und Pflichten eines jeden anderen amerikanischen Bürgers auszustatten.

Tatsächlich bedeutete dies in Wirklichkeit Entzug des Sonderstatus aller Reser-vationsbewohner und damit verbundenen Vergünstigungen. Dass es sich bei diesen Vergünstigungen um vertraglich vereinbarte Verpflichtungen handelte, als Gegenleistung zu den (Zwangs-) Landesabtretungen von seiten der Indianer an die U.S.A., wird wissend übergangen. Besonders betroffen waren die Programme im Bildungs- und Sozialbereich.

Der Stammstatus wurde von der amerikanischen Regierung nicht mehr anerkannt.. Rechtsprechung von Straf- und Zivilrecht wurde von den Stämmen auf die jeweiligen Bundesstaaten übertragen, was zu einer verstärkten Aussetzung der Willkür lokaler Behörden führte ( >>Termination by Assumption of Jurisdiction over Indian Country = Terminierung durch Übernahme der Rechtsprechung über indianisches Land)

1956 Start der Commodities, Cluster Housing und sozialen Hilfeleistungen

Was auch hier auf den ersten Blick als humane Regierungsmaßnahme erscheint, zeigt sich bei näherer Betrachtung als weiterer Schritt, indianische Nationen in die Abhängigkeit und Entmündigung zu treiben. Dies macht sich besonders in gesundheitlicher Hinsicht innerhalb kürzester Zeit negativ bemerkbar.

Hier sind auch deutlich Ansätze der Diabetes Epidemie zu suchen. Bei den im September 2001 geführten Interviews konnte man bei fast allen Befragten die Bereitschaft zu dieser ungesunden Ernährungsweise aufgrund von Bequemlichkeit erkennen (warum Gemüse anbauen, wenn es schneller geht eine Dose aufzumachen.) Dass der Inhalt bei weitem nicht der Qualtiät von Frischgemüse entspricht, war ( und ist bis heute ) vielen Menschen ( auch Nichtindianern) nicht klar.

Die politischen Maßnahmen der 50 Jahre hatten innerhalb kurzer Zeit katastrophale Folgen für die Indianer. Auch den Lakota wurde nach dem Geozid des vergan-genen Jahrhunderts noch einmal die neu aufgebaute Lebensgrundlage zerstört.

Laut Statistiken kam es in der Zeit von 1954 und 1962 zur Auflösung von mehr als 100 Stämmen. Das damit verbundene Elend führt zu massiver Depression und Resignation. 1957 wich die Regierung langsam wieder vom Termination Programm ab. Erste ernstzunehmende Umkehrversuche wurden unter J. F. Kennedy unternommen und unter Präsident Nixon wurde 1970 endlich offiziell der Terminationspolitik ein Ende gesetzt. Wäre es nicht die U.S.A., würde man die o.g. Regierungs Programme als >>Ethnische Säuberung<< oder >>Endlösung<< bezeichnen.

Der psychosomatische Ansatz: Diabetes durch Schock

Befindlichkeitsstörungen aber auch schwere Erkrankungen haben oftmals einen psychosomatischen Ursprung. Dieser Ansatz wurde bis vor kurzem bei dem Thema Diabetes nicht miteinbezogenen. Im Gegensatz zu Therapeuten alternativer Methoden, weigern sich viele konservativen Vertreter der Modernen Medizin immer noch ernsthaft diesen Aspekt in Betracht zu ziehen. Beobachtungen haben aber gezeigt, daß ein Auftreten von Diabetes bei Personen unmittelbar nach schweren Schockerlebnissen beobachtet werden konnten. Dieser Umstand wird bei Repräsentanten alternativer Medizinmethoden immer mehr berücksicht und ganzheitliche Therapieverfahren angewandt.

Betrachtet man die Geschichte der Lakota der letzten 150 Jahre, so stößt man unweigerlich auf von der Regierung angeordnete Maßnahmen, welche ein ganzes Volk unter Dauerschock stellten.

Historisches Trauma

1. Schockzustand 1871 bis 1934 : Genozid, Massaker, kulturelle Unterdrückung, Zerstörung der Tradition und Lebensgrundlage, Landenteignung , Zwangsum-siedelung in Reservate.

Bis 1871 wurden die indianischen Stämme Nordamerikas als souveräne Nationen Dies zeigt sich deutlich hinsichtlich der bis zu diesem Zeitpunkt abgeschlossenen Verträge, welche von der amerikanischen Regierung und einzelnen Stämmen abgeschlossen wurden ( siehe: Amerikanische Verfassung Artikel 8).

Ab 1871 wurde den Stämmen das Recht der Eigenständigkeit und Selbstverwaltung abgesprochen und deshalb auch keine Verträge mehr abgeschlossen. Die indianischen Nationen wurden zu Mündel degradiert, die Häuptlingsgesellschaft abgesetzt und das BIA als deren Vormund eingesetzt. Allerdings wurde offiziell festgelegt, daß die bis dahin abgechlossenen Vertragsvereinbarungen auch weiterhin ihre volle Gültigkeit behalten würden, auch in Punkto >>Souveräne Nationen<<.

Regierungsziel war es, das traditionelle Stammessystem zu zerstören, und dazu war jedes Mittel dazu recht.

2. Schockzustand 1953 - 1962:
Termination Act, Relocation Act, gravierende Regierungsmaßnahmen einer unmenschlichen Assimilationspolitik.

Diabetes tritt bei den Lakota in der uns ausgeprägten Form erst innerhalb der letzten 40 Jahre auf. Während sich dieses Volk bis ca 1930 relativ gut vom >>1. Schock des vorangegangenen Jahrhunderts<< erholte, ist es den Lakota bis heute nicht geglückt, von den teilweise unmenschlichen Regierungsmaßnahmen der 50 Jahre zu genesen. Die Ursache dieser sprunghaft angestiegenen Diabetes Krankheitsfälle hat mit Sicherheit ihren Ursprung in dieser Zeit.

Betrachtet man die Diabetes Epidemie bei den Lakota auch unter dem Gesichtspunkt >>Diabetes durch Schock<<, so müßte bei der Entwicklung einer erfolg-versprechenden Therapie neben Ernährung und Bewegung auch Maßnahmen zur Wiederfindung von Selbstachtung und Identität berücksichtigt werden. Das Fördern der eigenen Traditionen und Kultur würde hilfreich dieses Ziel unterstützen. Gefragt sind nicht nur Therapiemodelle für die körperliche Heilung, sondern auch Genesung im spirituellen Bereich. Therapieformen auf psychospiritueller Basis, wie sie ähnlich bei Vietnam Soldaten durchgeführt wurden ( und immer noch werden) wären auch innerhalb eines ganzheitlichen Diabeteskonzepts für die Lakota von Wichtigkeit.

Ergebnisse der Orthomolekularen Medizin:
Diabetes durch Mangel an Vitamin C und E

Die Orthomolekulare Medizin wurde von dem zweifachen Nobelpreisträger für Chemie und Frieden, Linus Paulig begründet. Paulig verstand darunter, die Erhaltung von Gesundheit und Behandlung von Krankheiten mit natürlichen, im Körper vorkommenden Wirkubstanzen. Diese Medizin gibt dem Menschen Instrumente in die Hand, wie er aktiv sein Gesundheitsschicksal bestimmen und leiten kann.

Wissenschaftler der Orthomolekularen Medizin stellten u.a. fest, daß in den Zellen von Diabetikern häufig viel weniger Vitamin C vorzufinden ist, als bei der Nichtdiabetikern. Finnische Wissenschaftler konnten auch zeigen, daß Diabetes bei Personen mit niedrigem Vitamin E Spiegel häufiger auftritt als bei Nichtdiabetikern. Immer mehr Schulmediziner verordnen deshalb Diabetes-patienten die Einnahme von hochdosiertem Vitamin C und E. Man geht davon aus, daß dies sowohl Gefäß- und Netzhaut, als auch Nierenschäden entgegen wirkt. Auch ist es erwiesen, daß bestimmte Pflanzenwirkstoffe agressiven Sauerstoff neutralisieren. Dazu gehören Vitamin E ( fettlöslich) und Vitamin C ( wasser-löslich).

Betrachtet man das Diabetes Problem der Lakota aus dem Blickwinkel der Orthomolekularen Medizin betreffen o.g. Vitamin C Mangels in den Zellen von Diabetespatienten, so ergibt sich daraus eine interessante Folgerung.

Analysiert man die traditionelle Ernährungsweise der Lakota, so stößt man dabei immer wieder auf Nahrungsmittel und Substanzen mit hohem Vitamingehalt, z.B. eine Vielzahl Beeren und Kräutern. Dabei handelt es sich größtenteils um Wildbeeren, welche auch heute noch in einer unglaublichen Vielfalt in der Prairie vorzufinden sind z.B. Chokecherries, Sandberries, Juneberries, Buffaloberries, wilde Johannisbeeren, wilde Hagebutten, aber auch wildes Grüngemüse wie Lambsquarter. Folglicherweise war die Nahrung der Lakota besonders reich an Vitamin C. Man aß die Beeren roh oder verarbeitete sie zu Säften, Puddings, Kompott. Man trocknete sie und verwendete sie für Tees. Nicht zu vergessen die verschiedenen nahrhaften Mixturen mit Fett und Dörrfleisch ( Pemmican, bzw.Wasna).

Der Körper war an eine große Vitaminzufuhr gewohnt, besonders an Vitamin C.
Dies erklärt auch die Schilderung der Befragten, wonach in der Vergangenheit eigentlich kaum jemand krank war oder wurde.

Diese Art der Ernährung kann man bis weit in die Mitte des 20, Jahrhundert bei den Lakota erkennen und änderte sich schlagartig mit dem Start der Commodities. Wurde dem Körper durch traditionelle Ernährung ein hohes Maß an Vitaminen, speziell an Vitamin C zugeführt, so wurde dies abrupt durch die Einführung von Lebensmittelausgaben mit minderwertigen Nahrung und Ernährung durch Junk Food gestoppt. Zwar ernähren sich die weißen Amerikaner auf ähnliche Art und Weise, da aber die Diät indianische Nomadenbevölkerung bis vor relativ kurzer Zeit in extremer Weise, andere Lebensmittelvorgaben beinhaltete, hatte und hat diese Ernährungsumstellung bei diesen Völkern eine weitaus negavitere Wirkung auf den Organismus.

Wenn also tatsächlich ein Zusammenhang von Vitamin C und Diabetes besteht, dann ist hier sicherlich ein weitere Ansatz gegeben, warum ausgerechnet bei diesem Volk die Diabetesrate derart extrem hoch ist.

Entwicklung der Ernährung bei den Lakota

Bis ca 1870:

Als Nomadenvolk bedienten sich die Lakota vorrangig den direkten Vorgaben der Natur. Proteinreiche Kost mit hohem Anteil an Vitaminen.
Fleisch: Büffel, Wild, Wildenten, Kaninchen, Fisch
Gemüse/Obst Sammler: Früchte, vorrangig Beeren, Wurzeln, Wildgemüse, Pilze
Händler: Mais, Kartoffeln, Bohnen, Kürbise, Wildreis
Getränke: Wasser, Säfte aus Beeren, Sirup von Bäumen, Tees aus Kräutern und getrockneten Früchten.
Gewürze: frische und getrocknete Kräuter ( z.B. Wooly Verbene, Wild Bergamotte, Skunkbush)

Für den Winter wurde Nahrung auf traditionelle Weise getrocknet.

Bis ca 1955:
Die Lebensmittelrationen der Regierung beeinflußten die ursprüngliche Lakota Diät. Die meisten Lakotafamilien fingen an Viehzucht und Gartenanbau zu betreiben.
Fleisch: Rind, Geflügel, Fisch, Wild, Kaninchen
Gemüse: Gartenanbau: Kartoffeln, Kürbise, Bohnen, Zwiebeln, Kohl, Karotten,
Sammler: Pilze, Tinpsila
Obst: gesammelte Beeren
Getränke: Wasser, Tees (Fertigprodukte, gesammelte Kräuter und Baum- rinden), Kaffee, Milch, Sirup von Bäumen
Gewürze: Salz und Zucker ersetzten Wildgewürze

Sonstiges: Einführung gebleichter Lebensmittel
Nahrungsmittel werden für Vorratszwecke traditionell getrocknet oder eingeweckt (wurde durch Missionsschulen eingeführt).

Bis zu diesem Zeitpunkt galten die Lakota als sehr stabiles und gesundes Volk. Diabetes war nicht bekannt.


Ab ca 1955 bis heute:
Die indianische Reservatsbevölkerung ernährt sich größtenteils von kalorien-, fett- und zuckerreicher Kost . Die Nahrungsmittel werden bezogen über von der Regie-rung zugewiesene Lebensmittelmarken und Commodities (Lebensmittelausgaben). Es handelt sich vorrangig um gebleichte und stark zuckerhaltige Nahrung von billigster Qualität. Getränke beschränken sich meist auf Kaffee und sog. >>Pob<< = Coke, Sprite, etc.

Nahrungsvorräte durch gekaufte, gefrorene Ware.

Diabetes Präventions Programm

Der Lebensstil der Lakota müßte sich grundsätzlich ändern um eine weitere Ausweitung der Krankheit zu verhindern und sie einzudämmen. Der Schwerpunkt des Präventionsprogrammes liegt zuerst bei der Ernährung. Hier lassen sich am schnellsten Veränderung herbeiführen. Grundsätzlich müssen die Lakota erkennen, daß der Auslöser der gravierenden Diabetes Epidemie eine mittlerweile selbst gewählte Lebensweise ist, die sich gegen die natürliche Veranlagung dieses Volkes richtet. Sie müssen erkennen, dass eine Fortsetzung dieses ungesunden Lebensstils in ihrem Falle zum Untergang führen wird. Dies käme einem Selbstmord gleich, der scheibchenweise vorgenommen wird.

Die Umstellung der in den letzten Jahrzehnten sich angeeigneten Lebensweise in eine für die Lakota sinnvolle und lebenserhaltende Lebensweise muß in Kompromissen vorgenommen werden. Die Personen müssen stufenweise auf eine gesunden Lebensstil hingeführt werden, um den ungesunden Gewohnheiten langsam zu entsagen.

Aufklärung: Beratungsgespräche,Vorträge mit praktischen Beispielen, Kochkurse
Familiencamps mit Programm

Ernährung:
Stufe1: Eine Kombination der vorhandenen Lebensmittel ( Foodstamps, Commodities), Supermarkt Ware, Wildpflanzen und Fleisch durch Jagd. Mit Gewürzen welche blutzuckerreduzierend wirken, werden weniger qualitative Lebensmittel neutralisiert. Zum Kochen werden biologische Substanzen verwendet (z.B. kaltgepreßte pflanzliche Bio- öle) aber auch Gewürze einheimischer Wildfplanzen.

Bewegung:
Stufe 1. Gemeinschaftsprogramm mit Spaßeffekt fördern ( Tanzabende, Sport- liche Wettkämpfe)


2 Beispiele von Gesprächsteilnehmern im September 2001 und den dazuge-hörenden persönlichen Berichte. Ist typisch für die damalige Lebenssituation der meisten Lakota Familien.

1. Rachel Red Bear,
Urenkelin von Chief American Horse ( spricht Lakota). 60 Jahre, seit mehreren Jahren Diabetes ( Ehemann Salomon Red Bear ebenfalls). Müssen beide seit Jahren 3 x wöchentlich in die Dialyse.

Eltern und Großmutter hatten einen eigenen Garten (Potato Creek) mit einer Vielfalt an Gemüse. Großmutter gab das traditionelle Kochen weiter. Sie zeigte wie man Beeren und Fleisch trocknete, wie man Wasna zubereitet. Traditionell wurde es ohne Zucker gemacht, Zucker kam erst später dazu. Eltern und Großmutter haben eingeweckt und Dörrfleisch und Dörrgemüse gemacht, z.B. Squash ( Kürbis-familie) in Scheiben geschnitten und getrocknet.

In der Familie wurden auch Rinder geschlachtet und Innereien gewaschen .

Meisten Familien in Rachels Jugendzeit hatten Gärten.

Im eigenen Garten wuchsen:
Kartoffeln, Mais, Bohnen, Kürbissorten, Kohl, Gurken, Zwiebeln, Radieschen, Karotten

Aber es wurden auch eßbare Pflanzen und Wildgemüse gesammelt:
Wilder Spargel
Große helle Pilze, welche auf verschiedenen Bäumen wuchsen. Ernte war im Mai nach dem ersten Regen der ersten heißen Zeit.
Maisähnliche Pilze welche am Flüßchen wuchsen.
Pilze wurden in Scheiben wie Zwiebel geschnitten und gebraten oder gedünstet.
Wilde Kartoffeln ( wuchsen am Potato Creek), sehen mehr wie beigefarbene Karotten aus.
Die Milch einer Pflanze mit handgroßen rosafarbenen Blüten wurde in die Suppe getan.

Fleisch und Fisch:
Wild, Rind- und Büffelfleisch, Geflügel, Hasen. Der Kopf des Hasen wurde gehäutet und gekocht. Die Kinder wollten immer den Kopf essen.
Junge Hunde wurden nur für zeremonielle Zwecke gekocht nachdem sie von einem Medizinmann innerhalb eines Rituals unter Gebeten getötet wurden

Getränke:
Wasser,
Tee aus wilder Pfefferminze,
Roter Tee ( die Innenseite einer bestimmten Baumrinde wurde herausgeschält. Durch das Kochen verändert sich die ursprüngliche beige Farbe in rot)
Saft des Ahornbaumes wurde zu Sirup eingedickt ( Loch in Baumrinde, ausfließende Saft wurde in Behälter aufgefangen)

Süßigkeiten und Snacks:

Das Gedärm der geschlachteten Tiere wurde zum Trocknen über den Baum gehängt und aufgeblasen. Danach die Luft rausgelassen und in 40 cm lange Stücke geschnitten. Über den Feuer geröstet schrumpften die Teile auf 8 cm und waren ein köstlicher Snack.



2. Emmery Clifford Arapho,
geb. 1943 ( spricht Lakota), 5 Geschwister, aufgewachsen in der Nähe von Allen. Er hat seit 1997 Diabetes. Großmutter starb, als er fünf Jahre alt war.

War als Kind viel und gerne beim Fischen und Schwimmen. Er und die anderen Kinder bewegten sich viel im Freien. Bauten sich mit Steinen am Creek einen eigenen Swimming Pool. Eltern hatten großen Garten und die Kinder halfen sehr viel mit. Gingen oft in der Umgebung eßbare Pflanzen sammeln.

Die Familie hatte Vorratskeller und eigenes Geflügel ( Eier und Fleisch).
Es wurde viel an wildem Gemüse gesammelt, zu allen Jahreszeiten.

Der Vater arbeitete bei einem Farmer und brachte immer frische Milch mit.

Das Wasser mußte 1 Meile vom Haus entfernt geholt werden. Dafür gab es einen eigenen Wasserwagen.
Es gab kein Fernsehgerät, keine Lebensmittelmarken. Es waren alle Selbstversorger. Die Gemeinschaft war wichtig und man war viel und oft zusammen. Die Menschen waren gewohnt über die ganze Woche den ganzen Tag zu arbeiten. Sie waren fast nie krank.

Gegessen wurde auf dem Boden, man hatte keine Stühle. Im Sommer saß man im Schatten. Gegessen wurden oftmals gekochte Kartoffeln mit Gemüse und Fleisch, Buiskits geformt wie ein Hamburger, gemacht aus Backpulver, Mehl und Wasser.

Im Frühjahr tauschte der Vater Pferde gegen Kühe, als Wintervorrat.

Im Garten wuchsen:
Karotten, Radieschen Zwiebeln, grüne Bohnen, Pindo Bohnen, Squash, Gurken, Kohl.
Hatten große Maisfelder. Die Nachbarn halfen bei der Ernte und kamen mit großen Trögen. Der Mais wurde im Ganzen oder einzeln gekocht, und nach dem Kochen getrocknet.

Eßbare Wildpflanzen:
Im Juni wurden Juneberries und Wild Turnips geerntet.
Juneberries wurden in Wasser gekocht und mit Mehl und Fett zu Puddings verarbeitet.

Wild Turnips wurden frisch in die Suppe gegeben und der Rest getrocknet. Vor der Verwendung wurden sie über Nacht in Wasser eingeweicht.

Im Juli und August wurden Chokecherries gepflückt und zu Saft und Puddings verarbeitet oder getrocknet.

Im Herbst wurde Holz für den Winter gesammelt. Sie hatten einen Holzofen im Haus.

Fleisch und Fisch:
Man aß viel Fisch ( Bullhead, Catfish), Rind, Geflügel, W ild.
Die Brüder gingen auf die Jagd. Im Winter wurden Hasen gejagt. Kinder lernten alle zu jagen. Emmery bekam mit 12 das erste Gewehr.

Die Kinder bauten sich am Creek aus Steinen einen kleinen Swimming Pool.

Vater arbeitete bei einem Farmer und brachte auch Milch mit. Mutter machte davon Stockmilch ( curdeled milk) für den Sommer.

Süßigkeiten: Es war kein Geld da, um Süßigkeiten zu kaufen.

Getränke: Chokecherrie Tee, Chokecherrie Saft, Wasser , Rose Hips Tee
Gewürze: Salz, Pfeffer, chopped onions

Ernährung bei Krankheit:
Die Kinder erkrankten selten an Erkältungen, z.B. wenn sie zu lange kalte und nasse Füsse beim Spielen draußen hatten. Dann gab es Fleischbrühe mit Gemüse . Brust wurde mit Wick eingerieben und heißnasse Handtuch daraufgelegt.

Sonstiges:
Zu den Mahlzeiten und auch zur Ernte wurde immer gebetet. Nahrung galt als heilig . Sie sorgte für einen starken Körper und einen starken Geist.
Frühstück: gekochte Eier, gebratene Eier, selbstgemachtes Brot, selbst gemachte Beerenmarmelade,

Die Mutter kochte mit viel Spiritualität. Sie benutzten zum Ausbacken und Braten shorting ( ähnlich wie Biskin).
Großvater bröckelte sich immer Buiskits in den Kaffee. Man hatte Angst vor Butter.

Die Familie bestand aus 11 Mitgliedern und man aß immer zusammen ( drei Mahlzeiten pro Tag).


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