Lakota Village Fund e.V. Kurzreport 2005

In 2005 wurde Christina von Winona La Duke in das White Earth Reservation in Minnesota, wo die Chippewa (Anishinabe) beheimatet sind, eingeladen. Dies war als Abstecher vorab eingeplant, um dann anschließend mit dem Auto nach Süden, in das Pine Ridge Reservat zu fahren. Mit dabei LVF Mitglied Judy Grosch und die Autorin Antje Babendererde. Winona, Vorstandsmitlgied von Honor the Earth und Gründerin von White Earth Land Recovery Project, hatte Produkte von Christina in 2004 bei einem Besuch bei Richard Sherman kennen gelernt.

Sie war so begeistert von deren Qualität und sah darin eine Möglilchkeit im White Earth Reservat durch die Herstellung von Naturprodukten dringend benötigte Arbeitsplätze zu schaffen. Geplant war die Kooperation mit dem Pine Ridge Reservat basierend auf einem Konzept, welches von Christina Voormann verfasst werden sollte.

Die Herstellung Produkten basierend auf Pflanzen des White Earth Reservats und Präriekräutern könnte zu einer Wiederbelebung der alten Handelstraditionen zwischen Lakota und Anishinabe führen. Beispiel: Produktion von kaltgepressten Kräuterölen. Eine Ölpresse steht bereits bei Richard Sherman im Pine Ridge Reservat. Diese Kooperation kann ein Türöffner für weiter Projekte werden.

Auch im White Earth Reservat wurde bezüglich Diabetes Vorsorge gekocht, dieses mal in Winonas neu eröffneten Cafe Native Harvest. Mit 3 Suppen war Lakota Village Fund beim großen Pow Wow dabei. Die Suppen waren aus den dortigen Wildpflanzen, unter anderem Cattailsprossen, die wie Gurken schmecken.
Die von LVF angefertigten Diabetes Prevention Postkarten anlässlich der Woyute Un Zanipi Diabetes Tour 2004 wurden von Winona La Duke innerhalb eines pan-indianischen Farbmagazins als Beispiel für traditionelle Ernährung im Zeitgeist des 21. Jahrhunderts vorgestellt.

Die Lakaot Village Fund Delegation benutzte den Besuch bei Winona, um ihr Native Harvest Cafe, welches in einem heimeligen Blockhaus untergebracht war, mit Geschenkeladen und Büro als Beispiel für eine ähnliche Einrichtung auf Pine Ridge zu nehmen.

Auf der mehrtägigen Fahrt von White Earth nach Pine Ridge traf sich die LVF Delegation in Brookings, SD mit Professor Neil Reese, einem Wissenschaftler der University of SD. Gemeinsam besuchte man Oak Field Station, eine große Laboreinrichtung mit Unterkünften und Gemeinschaftsräumen zur Untersuchung von Wildfplanzen. Ein seit längerer Zeit geplantes mehrtägites Diabetes Preventions-Projekt welches mit Lakota Studenten verschiedener Reservate durchgeführt werden sollte, wurde ausführlich besprochen. Diese Idee kam bereits beim Kennenlernen im Pine Ridge Reservat zur Sprache, wo der langjährige LVF Kooperationspartner Richard Sherman Prof. Rees und Christina miteinander bekannt machte.

Geplant waren Kräuterexkursionen (edible Plants) , Untersuchungen der Pflanzen im Labor z.B. auf Wirkstoffgehalt im Vergleich zu kultiviertem Gemüse, Verarbeitung der Pflanzen sowohl für Ernährung als auch Gesundheitspflege im Alltag und med. Grundversorgung. Auf dem anvisierten Campgelände gäbe es auch eine große Küche, wo man Kochkurse und Ernährungsworkshop basierend auf Wildpflanzen durchführen könnte.

Eine der Fragen, mit der Lakota Village Fund im 2005 nach Pine Ridge fuhr, war, sich über den Zustand und den Gefahren der Bombing Range in den Badlands zu informieren. In August 1942 wurden Lakota Familien von einer Fläche von 340.000 acre auf Geheiß der US Armee innerhalb von 4 Wochen evakuiert (nördliche Teil des Reservats, Badlands) Bis 1958 wurden konventionelle Waffen getestet (Bomben, Raketen, Granaten, etc). Bis heute weiss man nicht, was genau getestet wurde, speziell nach Kriegsende. Es wird befürchtet, dass u.a. auch Raketen und Bomben mit nuklearen Sprengköpfen abgeworfen wurden. Ursprünglich wurde die Bombing Range als Testfeld für den Bombeneinsatz in Deutschland (2. Weltkrieg) genutzt.

In den Badlands befinden sich viele für die Lakota heilige Plätze (Stronghold Table ehemaliger Geistertanzplatz) , wo sie sich immer wieder versammeln und auch Kräuter für ihre Zeremonien pflücken. Wildgemüse und Kräuter wachsen hier, die für das LVF Diabetes Prevention Project benützt werden könnten. So wird der Zustand der Bombing Range zu einer Gesundheitsfrage, denn das dort wachsende Wildgemüse kann nur verwendet werden, wenn sich der Boden als nicht kontaminiert erweist. Das dies in großen Teilen nicht der Fall ist konnte man über die ehemalige Leiterin des Boming Rang Büros, Emma Featherman Sam erfahren. Weite Teile sind durch Blei, Arsen, Selenium und Gunnery Powder verseucht. Ein Bereich von ca. 2400 acre wurde bis heute noch nicht von der Air Force an den Stamm zurückgegeben. Die Reinigung kann schwer durchgeführt werden, da es sich um hochexplosives Gebiet handelt.

Henry Red Cloud wurde besucht, um die von LVF finanzierten kultiviert Wildpflanzen zu besichtigen wie Monarda fistulosa, Rosa arcansana wie auch Topinambur, eine wichtige Pflanze in der Diabetes Präventionsküche. Die Kultivierung von Wildpflanzen ist ein weiteres Projekt, das LVF unterstützt, weil sie die Basis des gesunden Essens erzeugt und gleichzeitig Arbeitsplätze schaffen könnte. (Herbal Farms). Es sah vielversprechend aus. Man konnte die viele Arbeit erkennen, die er neben seiner Büffelzucht, dem Anfertigung von Tipis und seiner Firma für Sonnenkollektoren auch in die geplant Kräuterfarm investiert. Ein fleißiger Bursche.

Während unseres Aufenthaltes auf Pine Ridge fand die Graduationfeier am Oglala Lakota College in Kyle statt, ein Anlass für einen großen Pow Wow bei dem auch Oliver Red Cloud mittanzte. Zum Abschluss wurde Sonntagmittag eine von der LVF-Delegation gekochte Büffel-Wildgemüsesuppe bei 40° plus im Schatten und sehr stürmischem Wind ausgeteilt. Zu jeder Portion Suppe verteilte Christina auch eine Portion Grundwissen über gesundes Essen wie unsere Woyute un Zanipi/Food for Wellness Rezeptkarten.

Die Nasa ist jetzt auch am College und hat eine hochkarätiges Labor und einen Raumfahrtssimulator eingerichtet. In diesem Gebäude befindet sich auch ein Diabetes Forschungsprojekt unter der Leitung eines Wissenschaftlers aus Süd Amerika. Zu unserem Erstaunen werden allerdings nicht lokale Pflanzen näher begutachtet, sondern ein seit langem bekanntes Antidiabetikum, die subtropische Pflanze Momoridia charantia, welche in Asien und Südamerika zu Hause ist und u.a. innerhalb der Ayurveda Medizin seit Jahrhunderten Verwendungen findet. Christina hat Kontakte geknüpft und angeboten mit ihren Kenntnissen der dortigen Pflanzenwelt mitzumachen.

Am Abend nach dem Pow Wow fand auf dem American Horse Grundstück eine Sweat Lodge unter der Leitung von Joe American Horse statt. Anschließend saßen wir in dem von LVF gebauten Niedrigenergiehaus gemütlich zusammen.

Leonard Little Finger hat Christina und LVF um ihre Mitarbeit gebeten. Er plant eine Language Immersion School für Kinder, um die Lakota Sprache zu lernen. Dieser Schule soll auch ein Heritage Center angeschlossen werden.

Christina hat im Oktober zusammen mit Peter Maffay das Reservat besucht, um Leonhard und Peter miteinader bekannt zu machen. Leonards Vision wurde durch diesen Kontakt wahr. Seine Schule ist eins der 14 Charity Projekte von Peter Maffays neuem Musikprojekt >>Begegnungen 2- Allianz für Kinder<<. Ein separater Bericht mit Fotos von Christinas Besuch mit Peter Maffay auf Pine Ridge ist auf der LVF Webpage nachzulesen.


Während des Oktober Trips im Herbst 2005 hat Christina den Lakota Ferdinand Romero aus Wanbli kennen gelernt. Er hat angeboten, Touren Gebiete in den östlichen Badlands zu organisieren. Diese Gebiete sind historisch sehr wertvoll, da sich einige Lakota Bands (z.B. auch ein Teil der Big Foot Mineconjous) hier versteckten und lange Zeit dort ihre Tipi Dörfer hatten. Viele Grabstätten befinden sich dort. Leider sind Teile von weissen Farmern gepachtet , und es wird ständig gebuddelt. Ferdinand arbeitet daran, dieses Gebiet zu einer „Sacred Wilderness Area“ , eine Schutzzone, zu deklarieren. Auch hier versucht LVF unterstützend
mitzuwirken.

Auch diesmal galt wieder der Schwerpunkt dem Suchen, Identifizieren und Verarbeiten von Wildpflanzen. Ausgiebige Kräuterexkursionen wurden zusammen mit Richard Sherman in verschiedenen Badlandsgebieten und Prärieflächen innerhalb des Reservats durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in Foto und Text dokumentiert und dienen u.a. als Inhalt einer ausführlichen Broschüre, welche an Lakota Familien, Organisationen und Studenten verteilt werden soll.

<< zurück




posmedia internetagentur | log7.de